Immunhämatologie und Transfusionsmedizin

Eckstein R. Immunhämatologie und Transfusionsmedizin. München, Jena: Elsevier Urban & Fischer 2005. ISBN 3-437-21032-7

Der Verlag nennt als Interessenten für dieses Buch Internisten, Anästhesisten, Intensivmediziner, Transfusionsmediziner, Chirurgen und Pädiater. Meines Erachtens ist das eine ziemlich heterogene Gruppe, deren Bedürfnisse nicht alle gleichermaßen in einem Werk gedeckt werden können. Ein Transfusionsmediziner hat naturgemäß andere Erwartungen als z.B. ein Anästhesist.

Dementsprechend betrachte ich das Buch auch als nur eingeschränkt gelungen – der Teil zu Transfusionsmedizin ist recht gut und geht unter anderem ein auf Pathophysiologie der Blutspende, die unterschiedlichen Blutprodukte und die Differenzialindikationen und kurz auch auf zukünftige Therapien wie Stammzellen und dendritische Zellen. Auch die klinischen Bezüge wie der Teil zu Transfusionen und Infektionskrankheiten sind gelungen, allerdings teilweise zu ausführlich: Für die Therapie würde auch ein Verweis auf Lehrbücher der Inneren Medizin ausreichen. Gut ist auch das Eingehen auf seltenere Infektionskrankheiten, die mit Tropen- oder USA-Heimkehrern auch in Deutschland zu beobachten sind und deren Auswirkung auf die Erlaubnis zur Blutspende. Der Abschnitt zu Eigenbluttransfusion und Cell Saver hatte deutlich ausführlicher sein dürfen.

Der Teil Immunhämatologie — nun ja: Sein tieferer Sinn erschließt sich mir nicht, er ist deutlich zu ausführlich geraten. Die Häufigkeit der Blutgruppe 0 bei Burjäten und andere Kolibris mögen interessant sein, in einer Kurzeinführung haben sie nichts zu suchen. Das gilt auch für die seitenlangen Aufzählungen und Tabellen mit allen möglichen seltenen(!) Blutgruppensystemen wie Kidd oder Lutheran über mehr als 10% des Gesamtumfangs des Buchs. Die wichtige Kreuzprobe geht übrigens in diesem Wust unter.

Die Besprechung immunhämatologischer Erkrankungen wie Morbus haemolyticus neonatorum, autoimmunhämolytischer Anämien im vierten Teil ist dagegen gut gelungen. Hier wäre die eine oder andere Tabelle wiederum sinnvoll gewesen, z.B. zu verschiedenen Medikamenten, die eine hämolytische Reaktion auslösen können.

Das Literaturverzeichnis sollte gekürzt und vor allem aktualisiert werden — von 188 Zitaten sind 148 älter als 10 Jahre, und 53 sogar älter als 25 Jahre, auch wenn Klassiker wie der von Landsteiner zur Erstbeschreibung der Blutgruppen natürlich hier aufgeführt werden können.

Ein Hinweis an den Verlag: Ein kompetentes Fachlektorat hätte dem Werk sicherlich gut getan – auch wenn es sich um Formalien handelt wie korrekte Rechtschreibung. So bin ich z.B. über drei verschiedene Schreibweisen der Graft-versus-Host-Krankheit/-Reaktion gestolpert, über fehlerhaftes Durchkoppeln von deutschen mit fremdsprachlichen Begriffen, den Terminus “HIV-Virus” etc. Außerdem ist sicherlich die Beschreibung von Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin als Nukleotide mit Sicherheit fachlich falsch (Nukleotide = Phosphorsäure, Ribose/Desoxyribose und eine der aufgeführten Basen bzw. Uracil).

Fazit: Der Teil Transfusionsmedizin ist ein guter Einstieg, allerdings auch nicht mehr, für den Nicht-Transfusionsmediziner. Interessierten würde ich aber immer den Müller-Eckhardt o.Ä. empfehlen. Der Teil Immunhämatologie ist für Nicht-Immunhämatologen überflüssig, und für Immunhämatologen wahrscheinlich zu knapp.