Organmykosen

Tietz HJ, Nenoff P, Ullmann AJ. Organmykosen auf einen Blick. Diagnostik und Therapie lebensbedrohlicher Pilzinfektionen. Stuttgart: Thieme 2005. ISBN 3-13-138131-0 

Ein unterschätztes Thema, für alle Fachgebiete aufbereitet: Intensivmediziner, aber auch Internisten, Radiologen, Labormediziner und andere Fachgruppen sollen mit diesem Buch angesprochen werden.

Systemische Mykosen gehören zu den am schwersten zu behandelnden Infektionskrankheiten, die jedes Organsystem befallen können und unbehandelt fast immer zum Tod führen. Der vorliegende Ratgeber zum Thema Organmykosen schildert diese Erkrankungen, mit Betonung auf Diagnostik und Therapie.

Zu Beginn wird die Relevanz des Themas mit einigen Zahlen und Kasuistiken belegt. Dies macht die Problematik da anschaulich und verdeutlicht, dass das Thema jeden Mediziner jeder Fachrichtung betreffen kann.

Anschließend schildern die Autoren die diagnostischen Schritte für die wichtigsten humanpathogenen Gattungen Candida, Aspergillus und Cryptococcus. Hier wird es gelegentlich etwas unsystematisch, da Informationen zu Epidemiologie, Ätiologie und Pathogenese mit einfließen – sicherlich bedeutsam, aber warum wird dafür nicht ein eigenes Kapitel eingesetzt, gleichrangig denen zu Diagnostik und Therapie?

Zum Abschluss geht das Buch auf die Therapie der besprochenen Gattungen ein: In einem einführenden Abschnitt werden die wesentlichsten Antimykotika einschließlich ihrer Wirkungsmechanismen, vorgestellt, darunter auch neuere, die sich noch in klinischer Erprobung befinden.

Die hervorgehobenen, selbst erklärenden Merksätze und das Fazit am Ende eines jeden Kapitels geben eine gute Erstinformation. Etwas störend fand ich die teilweise sehr ausführlichen Beschreibungen klinischer Studien, die mir für die praktisch-klinische Anwendung als weniger relevant erscheinen, ebenso die teilweise höchst detaillierten Angaben zum Tischvorschub bei CT-Untersuchungen und Vorgaben zur Aufbereitung von Untersuchungsmaterial im Labor. Eventuell könnten solche Hintergrundinformationen in einer Folgeauflage durch die graphische Gestaltung abgehoben werden (kleinere Schriftgröße o.Ä.).

Die Abbildungen sind sehr gelungen und zeigen das Thema in seinen verschiedenen Facetten: klinische Bilder von Erkrankungsbefunden, CT- und Röntgenbefunde sowie Pilzkulturen im Labor. In einigen Abbildungen hätte ich mir gewünscht, dass die Legende durch einen zusätzlichen Hinweispfeil im Bild ergänzt worden wäre, denn der “mykotische Laie” sieht manches nicht, was dem Fachmann selbstverständlich scheint.

Die vielen Tabellen sind eine wertvolle Ergänzung. Besonders gut gefallen hat mir die abschließende mit der zusammenfassenden Übersicht zu Therapieoptionen bei invasiven Mykosen, die explizit auch auf die Zulassung für pädiatrische sowie für ältere Patienten eingeht. Außerdem erlaubt sie eine Schnellprüfung für Medikamenteninteraktionen, Dosierung und notwendige Dosisanpassungen.

Die Literaturangaben sind sehr reichhaltig, ich hätte mich gefreut, wenn die Autoren zusätzlich das eine oder andere Buch(kapitel) und darüber hinaus auch einige Websites und Download-Möglichkeiten für Guidelines angegeben hätten. Das abschließende Sachverzeichnis ist gut und sehr ausführlich.

Fazit: Ein im wahrsten Sinne des Wortes “preis-wertes” Buch, mit dem ein erster Überblick über das Thema gewonnen werden kann. Insgesamt geht es etwas zu sehr ins Detail. Die genannten Zielgruppen scheinen mir etwas heterogen: Mikrobiologen werden sicher andere Maßstäbe anlegen als z.B. Anästhesisten. Meinen Erwartungen hat es nicht vollständig entsprochen, da ich es für die praktisch-klinische Anwendbarkeit etwas zu knapp fand.